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Malen um des ästhetischen Vergnügens willen |
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ein Porträt von Kristina Benischek |
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Die Dreieicher Künstlerin Christel Jeschke malt Menschen, Tiere und Gegenstände realistisch und real, aber auch gleich- zeitig surrealistisch. Traum und Wirklichkeit vereinen sich zu etwas anderen Gemälden. In der Darstellung gibt es für sie keine Grenzen, denn Ihre Werke bilden nicht einfach Motive ab, sondern erzählen Geschichten, die Spielraum für individuelle Interpretationen bieten. |
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DREIEICH. Wer das idyllische Landhaus mit Vorgarten betritt, fühlt sich gleichsam in eine bunte Galerie versetzt. Bereits in der Diele empfangen großformatige Ölgemälde die Besucher. Zwei Bilder zeigen die Bewohnerin selber. Es sind Selbstbildnisse, denn Hausherrin, die eine ihrer selbst geschneiderten Hosen trägt, ist Malerin. |
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Der Blick schweift weiter auf das offene, helle Wohnzimmer, dessen Wände die Besitzerin kunstvoll mit Säulen und menschlichen Figuren ausgemalt hat. Über dem Kamin hat sie einen Steineffekt gezaubert, die Leisten an der Decke sind von eigener Hand bemalt. „Sonst sind mir die Wände zu nackt“, lächelt Jeschke. Doch nicht genug: Überall stehen und hängen Gemälde in unterschiedlichen Formaten. Sie zeigen den „Neuen Realismus“, dem sich die Malerin verschrieben hat. |
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Jeschkes „Neuer Realismus“ |
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Was die Künstlerin darunter versteht? Menschen, Tiere und Gegenstände realistisch und real dargestelltaber gleichzeitig surrealistisch. In der Darstellung gebe es dabei keine Grenzen, jede Form und jeden Gedanken könne man sich vorstellen, erläutert die Malerin. Diese Arbeitsweise ist in ihrem ganzen Haus sichtbar. Vom Dachboden bis zur Waschküche gibt es keine Fläche, die nicht von der Malerin mit ihren Bildern oder Wandmalereien verziert wäre, keinen Schrank, der nicht die Handschrift der einfallsreichen Bewohnerin trägt. |
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„Ich besitze die Dreistigkeit, mit dem Pinsel an die Wand zu gehen“, schmunzelt die Künstlerin. Aber auch vor den Fußböden macht ihr künstlerischer Tatendrang nicht Halt. Die blauen Blumen auf dem Teppichboden im Büro beispielsweise hat sie mit Acrylfarbe zum Erblühen gebracht. |
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Christel Jeschke zeichnet und malt, seit sie, so wörtlich, „einen Stift in der Hand halten kann.“ Mit den daraus entstandenen ersten Zeichnungen habe sie als Fünfjährige sogar ''gehandelt“ und dabei solides kaufmännisches Talent entwickelt. Ein Mal habe ein Spielkamerad sogar seinen Roller gegen ein Bild tauschen wollen, was ihre Mutter aber nicht zugelassen habe. Später in der Schule portraitierte sie ihre Mitschüler und Lehrer; zeitweilig zierten ganze Galerien von Bildern die Aulawände. |
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Das kreative Talent hat die Künstlerin offensichtlich von der malerisch begabten Mutter geerbt, die als Modistin und Näherin die Familie im zweiten Weltkrieg ernähren musste. Der Werdegang des jungen Mädchens führte zunächst auf die Handelsschule mit einer Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin. Als sie bald darauf ein Modehaus in Wiesbaden eröffnete, gab sie das Zeichnen und Malen dennoch nicht auf. Im Gegenteil. Sie entwickelte ihr Talent stetig weiter, indem sie in ihrem Geschäft auf großflächige Tapetenrollen malte. Zuvor hatte sie sich als damals als sehr junge Frau von Professor Walter Wohlfeld in Wuppertal und viel später von Manfred Aichholzer in Pörtschach ausbilden lassen. |
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In der Küche deutet die Künstlerin auf drei kopierte Albrecht Dürer-Stiche an der Wand. Professor Wohlfeld habe sie damals ermuntert, alte Meister mit Hilfe von Feder, Tusche und Rasierklinge auf Pergament zu stechen, um ihr zeichnerisches Talent zu verfeinern. Noch heute ist sie voll des Lobs ob dieser Lehrmethode,,die ihr solide künstlerische Grundlagen verschafft habe. „Wer nicht zeichnen kann, ist kein Maler“, verkündet Jeschke denn auch selbstbewusst, wobei ihre grünen Augen blitzen. Ein absolutes Vorbild in der Gegenwart ist für sie der Maler Michael Triegel aus der Leipziger Schule. |
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Die Motive und Figuren entwickeln sich während des Malvorgangs, erklärt Jeschke und deutet auf ihr Lieblingsbild, dem sie den Titel „Der Faden“ gegeben hat. Auch bilde das Ölgemälde nicht einfach ein Motiv ab, sondern erzähle die Geschichte einer jungen Frau, die vom Rücken eines Schafs einen Faden auf- oder abwickele. Diese Art der Darstellung mache Bilder „spannend“, erläutert die Künstlerin, und die Betrachter könnten sich ihre eigenen Vorstellungen dazu machen. Zum Beispiel bei Gemälden wie das einer rothaarigen Frau mit Frosch oder zwei Models, die sich vor einem Spiegel unterhalten. Die Bilder sind zwar mit Titel versehen bieten aber Spielraum zu individuellen Deutungen und stehen für sich, ohne, dass die Künstlerin eine Interpretation vorgibt. |
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Jeschke malt in Acryl, wenn ein Bild modern wirken und schnell fertig werden soll. Bevorzugt arbeitet sie in Öl, weil es sich damit ihrer Erfahrung nach körperlicher und mit weicheren Nuancen malen lässt. Die von ihr selbst entwickelte altmeisterliche Technik verleihe den Bildern in Kombination mit der oft angewendeten „alla prima“-Technik eine verhaltene Buntheit, erläutert die Künstlerin, die grelle Farben verabscheut. Und: „In jedem Bild kommt immer wieder die Zeichnerin durch.“ |
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Auf einem großen Tisch im Atelier liegt ein Skizzenbuch, weitere sind im ganzen Haus verstreut. Auf der Staffelei sind Anfänge einer Auftragsmalerei zu sehen. In Wiesbaden und Mainz hat die Künstlerin zahlreiche Treppenhäuser und Räume von Privatleuten ausgemalt, wobei sie so manches Schlafzimmer kunstvoll in ein Kabinett verwandelt hat. Jeschke malt um des ästhetischen Vergnügens willen, wie sie sagt: „Bevor ich ein Bild billig verkaufe, verschenke ich es lieber“. |
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